Die Studie von Bournon et al. (2026) untersuchte, ob eine frühe osteopathische Behandlung die Genesung von Patient*innen mit akuter lateraler Sprunggelenksverstauchung (ALAS) verbessern kann. ALAS ist eine der häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparates, die oft zu kurzfristiger Einschränkung, wiederholten Verletzungen und langfristiger Instabilität führen kann. Die übliche medizinische Behandlung umfasst Schmerzmittel, Ruhe, Eis, Kompression, Hochlagerung (RICE), funktionelle Unterstützung und Physiotherapie, jedoch zeigen einige Studien, dass allein diese Maßnahmen die Heilung nicht immer optimal fördern.
In einer randomisierten kontrollierten Studie in der Notaufnahme des Universitätsklinikums Reims wurden 50 Patient*innen mit einer ALAS der Stadien 1 oder 2 innerhalb von 72 Stunden nach Verletzung aufgenommen. Sie wurden entweder in die Gruppe mit nur medizinischer Behandlung (MT) oder in die Gruppe mit medizinischer und zusätzlicher osteopathischer Behandlung (MOT) randomisiert. Die MOT-Gruppe erhielt am Tag der Aufnahme eine einzelne osteopathische Sitzung, die individuell auf die betroffenen Gewebe und Spannungen abgestimmt war, sowie spezifische Empfehlungen an Tag 0, 7 und 21.
Die Ergebnisse zeigten nach 21 Tagen deutliche Vorteile der osteopathischen Behandlung:
Mobilität: 95,7 % der Patient*innen in der MOT-Gruppe erreichten eine gleiche Beweglichkeit (ungelastete Dorsalflexion) wie das gesunde Sprunggelenk, verglichen mit 50 % in der MT-Gruppe.
Schmerzreduktion: Schmerzen sowohl bei belastetem als auch bei unbelastetem Sprunggelenk nahmen in der MOT-Gruppe stärker ab.
Funktionelle Stabilität: Bereits kurz nach der osteopathischen Behandlung zeigten sich Verbesserungen in allen Tests zur Stabilität, die auch nach einer Woche noch deutlich erkennbar waren.
Bewegungsumfang: Sowohl die Dorsal- als auch die Plantarflexion nahmen in der MOT-Gruppe stärker zu.
Ödem: Ein unmittelbarer Rückgang war nach der Behandlung sichtbar, dieser Effekt hielt jedoch nicht über die gesamte Studiendauer an.
Die Studie zeigte keine Nebenwirkungen der osteopathischen Behandlung. Die Autoren erklären den Erfolg durch einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem nicht nur das Sprunggelenk, sondern auch Becken, Wirbelsäule, myofasziale Ketten und sensorische Systeme behandelt werden, wodurch sowohl die biomechanik als auch die neuromuskuläre Steuerung verbessert werden.
Die wichtigsten Stärken der Studie liegen in der umfassenden Bewertung aller relevanten Aspekte der Sprunggelenksfunktion und der geringen Zahl an Ausfällen bis Tag 21. Einschränkungen bestehen in der Variabilität der üblichen medizinischen Behandlung, dem fehlenden Verblinding der osteopathischen Untersuchung sowie fehlenden Informationen darüber, ob Patient*innen während der Studie weitere Behandlungen erhielten.
Fazit: Eine frühe osteopathische Behandlung zusätzlich zur üblichen medizinischen Versorgung kann die Mobilität, funktionelle Stabilität und Schmerzreduktion bei akuten lateralen Sprunggelenksverletzungen innerhalb von drei Wochen deutlich verbessern. Langfristige Effekte über diesen Zeitraum hinaus sind noch unklar. Weitere größere und kontrollierte Studien sind notwendig, um diese vielversprechenden Ergebnisse zu bestätigen.
Orginalstudie: https://doi.org/10.1515/jom-2025-0096

