Achillessehnenbeschwerden: Helfen Injektionen mit oder ohne Kortison langfristig?
Eine randomisierte kontrollierte Studie untersucht die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von Injektionen bei chronischen Beschwerden der Achillessehne
Schmerzen im Bereich der Achillessehne können die Beweglichkeit, die sportliche Aktivität und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Besonders bei länger bestehenden Beschwerden kann es schwierig sein, eine zufriedenstellende Verbesserung zu erreichen. Neben der Bewegungstherapie und der Anpassung körperlicher Belastungen werden deshalb auch verschiedene Injektionsbehandlungen eingesetzt. Eine häufig angewandte Methode ist die sogenannte High-Volume-Injektion, bei der ein größeres Flüssigkeitsvolumen in den Bereich zwischen Achillessehne und dem angrenzenden Fettgewebe eingebracht wird. Je nach Behandlung wird dieser Flüssigkeit zusätzlich ein Kortikosteroid, also ein entzündungshemmendes Medikament, beigemischt.
Eine im Oktober 2026 im renommierten medizinischen Fachjournal The BMJ veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie untersuchte, ob diese Injektionsbehandlung tatsächlich wirksam ist, ob ein zusätzliches Kortikosteroid Vorteile bringt und ob sich die Behandlung aus wirtschaftlicher Sicht lohnt. Die Untersuchung mit dem Namen „Inject trial“ liefert wichtige Erkenntnisse zur langfristigen Wirksamkeit dieser Verfahren.
Hintergrund: Was ist eine Achillessehnentendinopathie?
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und spielt eine zentrale Rolle beim Gehen, Laufen und Springen. Eine Achillessehnentendinopathie bezeichnet einen länger anhaltenden schmerzhaften Zustand der Sehne, der häufig durch wiederholte Belastungen entsteht. Die Beschwerden treten insbesondere während oder nach Aktivitäten auf, bei denen die Achillessehne beansprucht wird.
Die Erkrankung gehört zu den häufigen Ursachen anhaltender Schmerzen im Bereich der unteren Extremität. Laut den in der Studie angeführten Daten sind etwa sechs Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Die Beschwerden können bereits alltägliche Aktivitäten wie das Gehen erschweren und sich negativ auf die Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität auswirken. Darüber hinaus berichten etwa 38 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer über eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
Obwohl Bewegungstherapie und gezieltes Training der Waden- und Achillessehnenmuskulatur in aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Empfehlungen als wichtige Behandlungsmaßnahmen gelten, erreichen nicht alle Betroffenen eine ausreichende Verbesserung. In der wissenschaftlichen Literatur wird berichtet, dass bis zu 44 Prozent der Menschen mit Achillessehnentendinopathie nicht vollständig von den Beschwerden profitieren. Viele Betroffene suchen deshalb nach zusätzlichen Behandlungsmöglichkeiten. In der Studie wird darauf hingewiesen, dass nahezu die Hälfte der Menschen mit Schmerzen und Einschränkungen im Alltag weitere Therapien, beispielsweise Injektionen, in Anspruch nimmt.
Was ist eine High-Volume-Injektion?
Bei einer High-Volume-Injektion, kurz HVI, wird unter Ultraschallkontrolle ein relativ großes Flüssigkeitsvolumen in den Bereich zwischen der Achillessehne und dem sogenannten Kager-Fettkörper eingebracht. Dieser Fettkörper befindet sich unmittelbar vor beziehungsweise neben der Achillessehne und bildet eine anatomische Grenzfläche zwischen Sehne und umliegenden Strukturen.
Typischerweise besteht die Injektionslösung aus einer Kombination von Kochsalzlösung, einem örtlichen Betäubungsmittel und gegebenenfalls einem Kortikosteroid. In der hier untersuchten Studie wurden insgesamt 50 Milliliter Flüssigkeit verwendet.
Die Behandlung wird unter anderem mit der Vorstellung begründet, dass das größere Flüssigkeitsvolumen möglicherweise mechanisch auf bestimmte Strukturen einwirkt oder die Weiterleitung von Schmerzsignalen beeinflusst. Zusätzlich soll das Kortikosteroid entzündungshemmende Effekte entfalten und dadurch die Beschwerden reduzieren.
Frühere Untersuchungen hatten teilweise kurzfristige Verbesserungen nach High-Volume-Injektionen mit Kortikosteroid gezeigt. Andere Studien, in denen keine Kortikosteroide verwendet wurden, konnten dagegen keinen eindeutigen Nutzen nachweisen. Außerdem war bislang nicht ausreichend geklärt, ob eine kurzfristige Verbesserung möglicherweise mit langfristigen Nachteilen verbunden sein könnte.
Die vorliegende Studie sollte deshalb erstmals umfassender untersuchen, wie sich High-Volume-Injektionen mit und ohne Kortikosteroid über einen Zeitraum von zwölf Monaten auswirken und ob sie auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll sind.
Ziel der Untersuchung
Das Ziel der Studie bestand darin, die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von High-Volume-Injektionen bei einer Achillessehnentendinopathie im mittleren Sehnenabschnitt zu untersuchen.
Dabei wurden drei Behandlungsvarianten miteinander verglichen:
Eine High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid.
Eine High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid.
Eine Scheinbehandlung, bei der lediglich eine geringe Menge eines örtlichen Betäubungsmittels an einer anderen Stelle injiziert wurde.
Die Forscher wollten insbesondere herausfinden, ob sich Schmerzen und funktionelle Einschränkungen durch die Injektionen langfristig stärker verbessern als durch die Scheinbehandlung. Darüber hinaus untersuchten sie, ob ein zusätzliches Kortikosteroid einen Vorteil bietet, ob möglicherweise längerfristige Nachteile auftreten und welche Behandlung aus gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht am günstigsten ist.
Aufbau und Durchführung der Studie
Bei der Untersuchung handelte es sich um eine randomisierte kontrollierte Studie mit drei Behandlungsgruppen. Die Studie wurde an einem radiologischen Zentrum in Melbourne, Australien, durchgeführt und trug den Namen „Inject trial“.
Zwischen dem 5. Dezember 2019 und dem 24. Juli 2022 wurden insgesamt 192 Erwachsene in die Studie aufgenommen. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip gleichmäßig auf drei Gruppen verteilt:
64 Personen erhielten die Scheinbehandlung.
63 Personen erhielten eine High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid.
65 Personen erhielten eine High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid.
Die Teilnehmer waren mindestens 18 Jahre alt und litten an einer Achillessehnentendinopathie im mittleren Abschnitt der Sehne. Die Beschwerden mussten seit mindestens drei Monaten bestehen und sowohl klinisch als auch durch eine Ultraschalluntersuchung bestätigt worden sein. Bei der Ultraschalluntersuchung konnten beispielsweise Veränderungen der Sehnenstruktur oder ein Dopplersignal festgestellt werden.
Zusätzlich mussten die Teilnehmer einen VISA-A-Wert von weniger als 75 Punkten aufweisen und bereits erfolglos eine vorherige Behandlung versucht haben.
Der VISA-A-Fragebogen ist ein standardisiertes Instrument zur Beurteilung von Schmerzen und funktionellen Einschränkungen bei einer Achillessehnentendinopathie. Die Punktzahl reicht von 0 bis 100. Ein niedriger Wert steht für stärkere Beschwerden und Einschränkungen, während ein hoher Wert eine bessere Funktion und geringere Beschwerden bedeutet.
Personen mit einer früheren Achillessehnenruptur oder Operation, einer kürzlich erfolgten Injektionsbehandlung oder bestimmten Erkrankungen, die eine Teilnahme verhinderten, wurden ausgeschlossen.
Die Teilnehmer wurden zunächst telefonisch beziehungsweise per Videokonferenz auf ihre Eignung überprüft. Anschließend gaben sie ihre schriftliche Einwilligung und füllten vor der zufälligen Gruppenzuteilung die Ausgangsfragebögen aus.
Die Rekrutierung erfolgte hauptsächlich über bezahlte Werbung in sozialen Medien sowie durch Überweisungen von Ärzten und Physiotherapeuten.
Wie wurden die Teilnehmer den Gruppen zugeteilt?
Die zufällige Zuteilung erfolgte über ein unabhängiges internetbasiertes System der Griffith University in Queensland, Australien. Dabei wurden computergenerierte Zufallsverfahren verwendet.
Die Gruppenzuteilung erfolgte erst, nachdem sämtliche Ausgangsdaten erhoben worden waren. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Kenntnis der späteren Behandlungsgruppe die Auswahl der Teilnehmer beeinflusst.
Die Studie wurde so gestaltet, dass die Teilnehmer und die Personen, welche die Behandlungsergebnisse auswerteten, möglichst nicht wussten, welcher Behandlungsgruppe die einzelnen Teilnehmer angehörten. Dieses Vorgehen wird als Verblindung bezeichnet.
Die Injektionen wurden unter möglichst identischen Bedingungen durchgeführt. Es wurden jeweils fünf Spritzen mit einem Volumen von zehn Millilitern verwendet. Durch eine spezielle Abdeckung der Spritzen sollte verhindert werden, dass die Teilnehmer die jeweilige Flüssigkeit erkennen konnten.
Bei der Scheinbehandlung wurde die Flüssigkeit über ein spezielles Drei-Wege-Ventil in einen verdeckten Beutel geleitet. Dadurch entstand für die Teilnehmer der Eindruck, dass eine vergleichbare Injektion durchgeführt wurde.
Die Radiologen wussten zwar, ob eine aktive Injektion oder eine Scheinbehandlung durchgeführt wurde, waren jedoch nicht darüber informiert, ob die aktive Injektion Kortikosteroid enthielt. Die Physiotherapeuten, die die Teilnehmer nach der Injektion betreuten, sowie die Personen, die die Ergebnisse auswerteten, waren ebenfalls nicht über die Gruppenzuteilung informiert.
Unmittelbar nach der Injektion wurden die Teilnehmer gefragt, welcher Behandlungsgruppe sie ihrer Einschätzung nach angehörten. Damit sollte überprüft werden, ob die Verblindung tatsächlich funktioniert hatte.
Welche Behandlungen wurden durchgeführt?
Alle Teilnehmer erhielten eine einmalige Injektion, die von einem erfahrenen Radiologen für muskuloskelettale Erkrankungen durchgeführt wurde. Die Behandlung erfolgte in Bauchlage.
Bei Beschwerden an beiden Achillessehnen wurde die stärker betroffene Seite behandelt. Falls die Teilnehmer keine eindeutige Entscheidung treffen konnten, wurde die rechte Seite ausgewählt.
1. High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid
Bei dieser Behandlung wurden insgesamt 50 Milliliter Flüssigkeit zwischen dem Kager-Fettkörper und der Achillessehne injiziert.
Die erste Spritze enthielt zehn Milliliter eines örtlichen Betäubungsmittels, nämlich 0,5-prozentiges Bupivacainhydrochlorid, sowie 25 Milligramm Hydrocortison. Anschließend wurden vier weitere Spritzen mit jeweils zehn Millilitern normaler Kochsalzlösung verabreicht.
Die Injektion erfolgte über ein Verbindungssystem, wobei zunächst das Betäubungsmittel und das Kortikosteroid eingebracht wurden. Anschließend wurde die Kochsalzlösung injiziert.
Die Nadelposition wurde während des gesamten Eingriffs durch Ultraschall kontrolliert. Die Nadel wurde vorsichtig entlang der Grenzfläche zwischen Kager-Fettkörper und Achillessehne bewegt, damit sich die Flüssigkeit möglichst gleichmäßig im betroffenen Bereich verteilen konnte.
2. High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid
Diese Behandlung entsprach der vorherigen Injektion, allerdings wurde auf das Kortikosteroid verzichtet.
Die erste Spritze enthielt lediglich zehn Milliliter des örtlichen Betäubungsmittels Bupivacainhydrochlorid. Anschließend wurden ebenfalls vier weitere Spritzen mit jeweils zehn Millilitern Kochsalzlösung verwendet.
Das Gesamtvolumen betrug somit ebenfalls 50 Milliliter.
3. Scheinbehandlung
Bei der Scheinbehandlung wurden lediglich zwei bis drei Milliliter des örtlichen Betäubungsmittels Bupivacainhydrochlorid injiziert.
Die Injektion erfolgte mindestens zehn Millimeter weiter vorne als die eigentliche Grenzfläche zwischen dem Kager-Fettkörper und der Achillessehne. Aufgrund der veränderten Position und der geringen Flüssigkeitsmenge sollte die Behandlung keine relevante therapeutische Wirkung auf die Achillessehne entfalten.
Dennoch erzeugte sie einen ähnlichen örtlichen Betäubungseffekt wie die beiden aktiven Injektionen. Dadurch sollte die Scheinbehandlung möglichst glaubwürdig sein.
Welche weitere Behandlung erhielten die Teilnehmer?
Ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung war, dass alle drei Gruppen nach der Injektion die gleiche physiotherapeutische Betreuung erhielten.
Damit sollte sichergestellt werden, dass Unterschiede zwischen den Gruppen möglichst auf die jeweilige Injektionsbehandlung und nicht auf unterschiedliche Rehabilitationsmaßnahmen zurückzuführen waren.
Alle Teilnehmer erhielten ein evidenzbasiertes, schrittweise aufgebautes Trainingsprogramm für die Wadenmuskulatur und die Achillessehne.
Darüber hinaus wurden sie über die Erkrankung, mögliche Behandlungsoptionen, die Prognose und den typischen Verlauf der Genesung informiert.
Ein weiterer Bestandteil war die Beratung zur Anpassung körperlicher Aktivitäten. Hierbei wurde ein sogenanntes Schmerzmonitoring-Modell verwendet. Dieses Modell hilft dabei, körperliche Belastungen anhand der auftretenden Schmerzen zu steuern und die Aktivität schrittweise zu steigern.
Die Teilnehmer sollten das vorgegebene Trainingsprogramm über zwölf Wochen durchführen, auch wenn sich ihre Beschwerden zwischenzeitlich verbesserten. Während dieser ersten zwölf Wochen sollten sie möglichst keine zusätzlichen Behandlungen in Anspruch nehmen. Zur Schmerzreduktion durfte Paracetamol in einer Dosierung von bis zu vier Gramm täglich verwendet werden.
Zur Unterstützung erhielten die Teilnehmer Informationsmaterialien, Videos zum Trainingsprogramm und einen Plan zur schrittweisen Steigerung der Übungen.
Die Nachbetreuung umfasste:
Einen telefonischen Kontakt eine Woche nach der Injektion.
Eine Videokonferenz nach zwei Wochen.
Einen persönlichen Termin nach sechs Wochen, bei dem die Übungen angepasst werden konnten.
Eine weitere Kontrolle nach zwölf Wochen, um die langfristige Fortsetzung des Trainings zu planen.
Zusätzliche Termine nach 26 und 52 Wochen.
Die Teilnehmer wurden bei den späteren Terminen von denselben Physiotherapeuten betreut und konnten bei Bedarf Fragen stellen oder weitere Empfehlungen erhalten. Während der gesamten zwölfmonatigen Untersuchung waren die Physiotherapeuten außerdem telefonisch oder per E-Mail erreichbar.
Schulung der behandelnden Fachpersonen
Die Injektionen wurden von drei erfahrenen Radiologen durchgeführt, die jeweils mindestens fünf Jahre Berufserfahrung hatten.
Um sicherzustellen, dass die Injektionen möglichst einheitlich durchgeführt wurden, erhielt das Behandlungsteam eine spezielle Schulung durch den Entwickler der High-Volume-Injektionstechnik.
Diese Schulung dauerte drei Stunden und umfasste eine praktische Demonstration sowie die Entwicklung einer Checkliste für die Durchführung.
Jeder Radiologe übte anschließend die Behandlung an mindestens drei Patienten, bis die vorgegebenen Kriterien erfüllt waren. Während der Studie wurden außerdem 21 Injektionen, entsprechend etwa elf Prozent aller Behandlungen, zufällig ausgewählt und auf die korrekte Durchführung überprüft.
Auch die Physiotherapeuten erhielten eine standardisierte Schulung. Insgesamt waren vier qualifizierte Physiotherapeuten an der Nachbetreuung beteiligt.
Die ersten beiden Physiotherapeuten betreuten die ersten 43 Teilnehmer. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde die Rekrutierung am 10. Juli 2020 vorübergehend unterbrochen. Beide Physiotherapeuten schieden während dieser Zeit aus, weshalb zwei neue Physiotherapeuten geschult wurden und die Rekrutierung im Juli 2021 fortgesetzt werden konnte.
Die Schulung umfasste theoretische Informationen, praktische Demonstrationen, simulierte Behandlungen mit Rückmeldungen sowie die Durchsicht der Patienteninformationen.
Die korrekte Durchführung der physiotherapeutischen Betreuung wurde ebenfalls zu mehreren Zeitpunkten überprüft.
Welche Ergebnisse wurden untersucht?
Der wichtigste untersuchte Endpunkt war die Veränderung von Schmerzen und funktionellen Einschränkungen nach 52 Wochen, also nach zwölf Monaten.
Hierfür wurde der bereits beschriebene VISA-A-Fragebogen verwendet. Er bewertet die Beschwerden und die funktionelle Leistungsfähigkeit bei einer Achillessehnentendinopathie auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten.
Neben diesem primären Ergebnis wurden zahlreiche weitere Faktoren untersucht.
Dazu gehörten:
Die VISA-A-Werte nach sechs, zwölf und 26 Wochen.
Die subjektive Einschätzung der allgemeinen Veränderung durch die Behandlung.
Die Schmerzintensität.
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Das Ausmaß körperlicher Aktivität.
Die Angst vor Bewegung, auch als Kinesiophobie bezeichnet.
Die sogenannte Schmerzkatastrophisierung, also eine ausgeprägte negative gedankliche Bewertung und Erwartung im Zusammenhang mit Schmerzen.
Die Selbstwirksamkeit im Umgang mit Schmerzen, also das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, trotz Beschwerden alltägliche Aktivitäten ausführen zu können.
Die Kraft der Wadenmuskulatur.
Veränderungen der Achillessehne im Ultraschall, insbesondere die Sehnendicke und das Dopplersignal.
Die Kinesiophobie wurde mit der Tampa Scale for Kinesiophobia erfasst. Diese Skala reicht von 11 bis 44 Punkten, wobei höhere Werte eine stärkere Angst vor Bewegung anzeigen.
Die Schmerzkatastrophisierung wurde mit einem Fragebogen bewertet, der Werte zwischen 0 und 52 Punkten umfasst. Höhere Werte stehen für eine stärkere Schmerzkatastrophisierung.
Die Selbstwirksamkeit im Umgang mit Schmerzen wurde mit einem Fragebogen zwischen 0 und 60 Punkten erfasst. Hier bedeuten höhere Werte ein größeres Vertrauen in die eigene Fähigkeit, den Alltag trotz Schmerzen zu bewältigen.
Die Lebensqualität wurde mit dem EQ-5D-5L-Fragebogen untersucht. Dieser ermöglicht eine Bewertung des Gesundheitszustandes und eine Berechnung eines sogenannten Gesundheitsnutzens zwischen 0 und 1. Ein Wert von 1 entspricht dabei einem Zustand vollständiger Gesundheit.
Die körperliche Aktivität wurde anhand der Aktivitäten der vergangenen sieben Tage erfasst und mithilfe sogenannter metabolischer Äquivalente bewertet.
Zusätzlich untersuchten die Forscher, wie regelmäßig die Teilnehmer ihre Übungen durchführten. Dabei wurde insbesondere erfasst, wie viele Personen mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche absolvierten.
Auch mögliche unerwünschte Ereignisse und Komplikationen wurden während des gesamten Untersuchungszeitraums dokumentiert.
Wie wurden die Daten ausgewertet?
Die Studie wurde so geplant, dass Unterschiede von zehn Punkten auf der VISA-A-Skala zwischen den Behandlungsgruppen erkannt werden konnten.
Ein Unterschied von zehn Punkten wurde als klinisch relevante Zielgröße festgelegt. Diese Größenordnung orientierte sich an früheren Studien und Empfehlungen der Cochrane Collaboration, die bei fehlenden etablierten Schwellenwerten häufig einen Unterschied von etwa zehn Prozent der gesamten Skalenbreite als Orientierung verwendet.
Die Forscher planten eine statistische Aussagekraft von 80 Prozent. Das bedeutet, dass die Studie bei einem tatsächlich vorhandenen Unterschied der festgelegten Größe mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent diesen Unterschied erkennen sollte.
Unter Berücksichtigung möglicher Teilnehmerverluste wurde eine Gesamtzahl von 192 Personen angestrebt.
Die statistische Auswertung erfolgte nach dem sogenannten Intention-to-treat-Prinzip. Dabei werden die Teilnehmer grundsätzlich in der Gruppe ausgewertet, der sie ursprünglich zufällig zugeteilt wurden. Dieses Verfahren hilft, die Vorteile der zufälligen Gruppenzuteilung zu erhalten und Verzerrungen zu vermeiden.
Der statistische Analyseplan wurde bereits vor Beginn der Auswertung öffentlich registriert.
Bei fehlenden Daten wurden statistische Verfahren zur Ergänzung fehlender Werte verwendet. Dazu gehörte die sogenannte multiple Imputation, bei der fehlende Werte anhand vorhandener Informationen statistisch geschätzt werden.
Die Forscher führten außerdem zusätzliche Analysen durch, bei denen Teilnehmer ausgeschlossen wurden, die nicht ausreichend häufig trainiert hatten. Damit sollte untersucht werden, ob die Ergebnisse möglicherweise durch Unterschiede in der Trainingsdurchführung beeinflusst wurden.
Wirtschaftliche Bewertung
Neben der medizinischen Wirksamkeit untersuchte die Studie auch die Wirtschaftlichkeit der Behandlungen.
Hierbei wurde nicht nur berücksichtigt, welche direkten medizinischen Kosten entstanden, sondern auch, welche Auswirkungen die Behandlung auf die Gesellschaft insgesamt hatte.
Die Forscher erfassten beispielsweise:
Kosten für medizinische Behandlungen und Medikamente.
Krankenhausaufenthalte.
Reisekosten.
Arbeitsausfälle.
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit trotz Anwesenheit am Arbeitsplatz.
Unbezahlte Tätigkeiten, die aufgrund der Beschwerden nicht ausgeführt werden konnten.
Diese Betrachtung wird als gesellschaftliche Perspektive bezeichnet. Sie berücksichtigt also nicht ausschließlich die Kosten für das Gesundheitssystem, sondern auch wirtschaftliche Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft.
Ein wichtiger Bestandteil war die Berechnung sogenannter qualitätsadjustierter Lebensjahre, international als QALYs bezeichnet.
Ein QALY verbindet die Dauer des Lebens mit der Qualität des Gesundheitszustandes. Ein Jahr in vollständiger Gesundheit entspricht dabei einem QALY. Ein Jahr mit gesundheitlichen Einschränkungen wird entsprechend geringer bewertet.
Mit dieser Methode lässt sich untersuchen, wie viel zusätzliche Lebensqualität eine Behandlung im Verhältnis zu ihren Kosten bietet.
Die wirtschaftlichen Analysen wurden mit verschiedenen Annahmen durchgeführt, um zu überprüfen, ob die Ergebnisse auch dann bestehen bleiben, wenn einzelne Kostenfaktoren anders berechnet werden.
Ergebnisse der Studie
Wie viele Teilnehmer konnten ausgewertet werden?
Von den ursprünglich 192 Teilnehmern lagen nach zwölf Monaten für 181 Personen vollständige Daten zum wichtigsten Untersuchungsergebnis vor.
Das entspricht einer Nachbeobachtungsrate von 94 Prozent und bedeutet, dass nur elf Personen für den primären Endpunkt fehlten.
Die einzelnen Gruppen wiesen folgende Nachbeobachtungsraten auf:
Scheinbehandlung: 58 von 64 Personen, entsprechend 91 Prozent.
High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid: 60 von 63 Personen, entsprechend 95 Prozent.
High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid: 63 von 65 Personen, entsprechend 97 Prozent.
Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 48,7 Jahre alt. 55 Prozent waren Männer und 45 Prozent Frauen. Die Altersspanne lag zwischen 19 und 75 Jahren.
Zu Beginn der Studie bestanden bei den Teilnehmern durchschnittlich mittelschwere bis ausgeprägte Beschwerden. Der mittlere VISA-A-Wert lag bei 48,7 Punkten.
Die Beschwerden bestanden im Median bereits seit etwa zwei Jahren. Die Hälfte der Teilnehmer hatte Beschwerden an beiden Achillessehnen.
Etwa ein Drittel der Teilnehmer war adipös.
Die meisten Teilnehmer hatten bereits zuvor eine Bewegungstherapie durchgeführt. Insgesamt hatten nahezu 80 Prozent bereits Erfahrungen mit einer trainingsbasierten Behandlung gesammelt.
Ergebnisse nach zwölf Monaten
Das wichtigste Ergebnis der Studie war, dass sich nach zwölf Monaten keine überzeugenden Unterschiede zwischen den drei Behandlungsgruppen zeigten.
Weder die High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid noch die High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid führte zu einer besseren Schmerzreduktion oder einer stärkeren Verbesserung der Funktion als die Scheinbehandlung.
Die Ergebnisse auf der VISA-A-Skala zeigten folgende Unterschiede:
High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid im Vergleich zur Scheinbehandlung:
Nach zwölf Monaten lag der Unterschied bei minus 3,5 Punkten. Das Ergebnis deutete damit geringfügig zugunsten der Scheinbehandlung, war jedoch statistisch nicht eindeutig.
High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid im Vergleich zur Scheinbehandlung:
Der Unterschied betrug 4,0 Punkte zugunsten der Injektion ohne Kortikosteroid. Auch dieser Unterschied war statistisch nicht eindeutig.
High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid im Vergleich zur Injektion ohne Kortikosteroid:
Der Unterschied betrug minus 7,5 Punkte. Die Ergebnisse deuteten somit auf einen Vorteil der Injektion ohne Kortikosteroid hin. Auch dieser Unterschied erreichte nach zwölf Monaten jedoch keine statistische Signifikanz.
Insgesamt konnte keine der beiden High-Volume-Injektionen eine überzeugende langfristige Verbesserung gegenüber der Scheinbehandlung nachweisen.
Kurzfristige Ergebnisse nach sechs Wochen
Nach sechs Wochen zeigte sich ein kleiner Vorteil der High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid gegenüber der Scheinbehandlung.
Der Unterschied auf der VISA-A-Skala betrug 9,2 Punkte zugunsten der Kortikosteroid-Injektion.
Dieser Unterschied war statistisch signifikant, lag jedoch unter dem zuvor festgelegten Zielwert von zehn Punkten, der als klinisch relevante Verbesserung angesehen wurde.
Das bedeutet, dass zwar eine kurzfristige Verbesserung messbar war, diese aber möglicherweise nicht groß genug war, um für die Betroffenen einen bedeutsamen zusätzlichen Nutzen darzustellen.
Auch bei der subjektiven Einschätzung der allgemeinen Veränderung zeigte sich nach sechs Wochen ein kleiner Vorteil der Kortikosteroid-Gruppe gegenüber der Scheinbehandlung.
Die Forscher betonen allerdings, dass dieser kurzfristige Effekt möglicherweise auch zufällig entstanden sein könnte.
Ergebnisse nach 26 Wochen
Nach 26 Wochen zeigte sich ein anderes Bild.
Die Teilnehmer, die eine High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid erhalten hatten, schnitten im Vergleich zur Gruppe mit Kortikosteroid besser ab.
Der Unterschied auf der VISA-A-Skala betrug 8,6 Punkte zugunsten der Injektion ohne Kortikosteroid.
Dieser Unterschied war statistisch signifikant, lag aber ebenfalls unter dem zuvor festgelegten Zielwert von zehn Punkten.
Die Ergebnisse deuteten somit darauf hin, dass die zusätzliche Gabe eines Kortikosteroids möglicherweise mit ungünstigeren mittel- bis langfristigen Ergebnissen verbunden sein könnte.
Nach 52 Wochen zeigte sich weiterhin eine ähnliche Tendenz zugunsten der Injektion ohne Kortikosteroid, allerdings war dieser Unterschied nicht mehr statistisch eindeutig.
Ergebnisse der Injektion ohne Kortikosteroid
Die High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid zeigte zu keinem der untersuchten Zeitpunkte einen überzeugenden Vorteil gegenüber der Scheinbehandlung.
Dies galt für die Messungen nach sechs, zwölf, 26 und 52 Wochen.
Auch bei den weiteren untersuchten klinischen Ergebnissen konnten keine eindeutigen Vorteile festgestellt werden.
Die Ergebnisse sprechen deshalb dafür, dass das alleinige Einbringen eines größeren Flüssigkeitsvolumens in den Bereich der Achillessehne keinen relevanten zusätzlichen Nutzen bietet.
Ergebnisse bei Schmerzen und weiteren klinischen Faktoren
Die zusätzlichen Untersuchungsergebnisse bestätigten weitgehend die Ergebnisse des primären Endpunktes.
Nach sechs Wochen zeigte sich bei der Kortikosteroid-Gruppe eine etwas bessere subjektive Einschätzung der Veränderung gegenüber der Scheinbehandlung.
Nach zwölf Wochen bestanden jedoch keine überzeugenden Unterschiede zwischen den Gruppen.
Nach 26 Wochen berichteten die Teilnehmer, die eine Kortikosteroid-Injektion erhalten hatten, über stärkere Schmerzen als diejenigen, die eine Injektion ohne Kortikosteroid erhalten hatten.
Der Unterschied bei den stärksten Schmerzen der vergangenen sieben Tage betrug 11,3 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 zugunsten der Gruppe ohne Kortikosteroid.
Die Forscher beobachteten außerdem nach sechs Wochen eine geringfügige Verringerung der Sehnendicke in der Kortikosteroid-Gruppe im Vergleich zur Injektion ohne Kortikosteroid.
Diese Veränderung betrug etwa 0,5 Millimeter.
Allerdings konnte daraus kein eindeutiger langfristiger klinischer Vorteil abgeleitet werden.
Bei den weiteren untersuchten Faktoren, darunter körperliche Aktivität, Muskelkraft, Angst vor Bewegung, Schmerzkatastrophisierung und Selbstwirksamkeit im Umgang mit Schmerzen, zeigten sich keine überzeugenden Unterschiede zwischen den Gruppen.
Auch die Ultraschalluntersuchungen ergaben keine relevanten Unterschiede hinsichtlich des Dopplersignals oder der Sehnendicke zwischen der High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid und der Scheinbehandlung.
Die Ergebnisse unterstützen somit die Annahme, dass das zusätzliche Flüssigkeitsvolumen allein keine nachweisbare Verbesserung der Sehnenstruktur oder der klinischen Beschwerden bewirkt.
Wirtschaftliche Ergebnisse
Die wirtschaftliche Auswertung zeigte ein anderes Bild als die klinischen Ergebnisse.
Die High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid war im Vergleich zur Scheinbehandlung mit geringeren Gesamtkosten verbunden und erreichte eine ähnliche gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Behandlung aus wirtschaftlicher Sicht kosteneffektiv war, lag bei mehr als 90 Prozent, wenn Zahlungsbereitschaftsschwellen von 50.000 beziehungsweise 100.000 australischen Dollar pro zusätzlichem qualitätsadjustiertem Lebensjahr zugrunde gelegt wurden.
Die wirtschaftlichen Vorteile ergaben sich insbesondere durch geringere Arbeitsausfälle während der ersten zwölf Wochen und niedrigere Gesundheitskosten in den letzten sechs Monaten der Untersuchung.
Die Forscher vermuten, dass die kurzfristige Schmerzlinderung nach der Kortikosteroid-Injektion möglicherweise dazu beigetragen hat, dass die Teilnehmer früher wieder arbeitsfähig waren oder weniger medizinische Leistungen in Anspruch nehmen mussten.
Allerdings waren die Unterschiede bei den qualitätsadjustierten Lebensjahren sehr gering.
Die Autoren weisen deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die wirtschaftliche Überlegenheit nicht mit einer bedeutsamen medizinischen Verbesserung gleichgesetzt werden darf.
Die High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid zeigte dagegen eine geringe Wahrscheinlichkeit, wirtschaftlich kosteneffektiv zu sein. Diese lag über die untersuchten Zahlungsbereitschaftsschwellen hinweg unter 60 Prozent.
Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen
Während der zwölfmonatigen Untersuchung wurden keine Achillessehnenrupturen beobachtet.
Insgesamt traten bei sechs Teilnehmern schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf. Diese Ereignisse standen jedoch nach Einschätzung der Forscher nicht mit der Studienbehandlung in Zusammenhang.
In jeder der drei Gruppen waren jeweils zwei Personen betroffen, entsprechend etwa drei Prozent pro Gruppe.
Die schwerwiegenden Ereignisse umfassten unter anderem Krankenhausaufenthalte aufgrund von Operationen, einen vorübergehenden ischämischen Schlaganfall sowie einen Verkehrsunfall.
Darüber hinaus wurden 80 nicht schwerwiegende unerwünschte Ereignisse dokumentiert.
Dabei handelte es sich überwiegend um Schmerzen im Bereich der Achillessehne oder andere muskuloskelettale Beschwerden.
Solche Ereignisse wurden bei folgenden Anteilen der Teilnehmer beobachtet:
53 Prozent in der Scheinbehandlungsgruppe.
38 Prozent in der Gruppe mit High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid.
49 Prozent in der Gruppe mit High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid.
Die Häufigkeit war zwischen den Gruppen insgesamt ähnlich.
Ein einziges nicht schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis wurde eindeutig mit der Injektion in Verbindung gebracht. Dabei handelte es sich um Schmerzen an der Injektionsstelle in der Kortikosteroid-Gruppe.
Die Studie liefert somit keinen Hinweis auf eine erhöhte Häufigkeit von Achillessehnenrupturen nach den untersuchten Injektionen innerhalb des zwölfmonatigen Beobachtungszeitraums.
Allerdings bedeutet das Ausbleiben von Rupturen in dieser Studie nicht, dass ein solches Risiko grundsätzlich ausgeschlossen werden kann.
Einordnung der Ergebnisse im Vergleich zu früheren Studien
Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung stimmen weitgehend mit früheren Studien überein, die ebenfalls keinen überzeugenden langfristigen Nutzen der High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid zeigen konnten.
Die Autoren verweisen insbesondere auf eine frühere randomisierte Studie, in der die Injektion ohne Kortikosteroid ebenfalls keine relevante Verbesserung gegenüber einer Scheinbehandlung erzielen konnte.
Die aktuelle Studie erweitert diese Erkenntnisse, indem sie die Teilnehmer über zwölf Monate beobachtete und zusätzlich wirtschaftliche Aspekte sowie weitere klinische Faktoren untersuchte.
Bei Kortikosteroid-Injektionen ist die Studienlage etwas differenzierter.
Frühere Untersuchungen konnten teilweise kurzfristige Verbesserungen der Schmerzen nachweisen. Allerdings war häufig unklar, ob diese Verbesserungen langfristig bestehen bleiben.
Eine 2022 veröffentlichte randomisierte Studie untersuchte beispielsweise wiederholte Kortikosteroid-Injektionen in Kombination mit Bewegungstherapie. Dabei zeigte sich ebenfalls ein kurzfristiger Vorteil, der nach zwölf Monaten nicht mehr eindeutig nachweisbar war.
Die Autoren der aktuellen Untersuchung kommen deshalb zu dem Schluss, dass Kortikosteroid-Injektionen bei Achillessehnenbeschwerden möglicherweise kurzfristig helfen können, aber keinen überzeugenden langfristigen Nutzen bieten.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass die Behandlung mittel- bis langfristig ungünstigere Ergebnisse als eine Injektion ohne Kortikosteroid erzielt.
Die Autoren weisen darauf hin, dass Kortikosteroid-Injektionen in andere Sehnenbereiche bereits mit einem Muster aus kurzfristiger Verbesserung und späteren Nachteilen in Verbindung gebracht wurden.
Allerdings ist die Frage nach einem langfristigen Risiko für Sehnenrupturen weiterhin nicht abschließend geklärt.
Während Injektionen direkt in die Sehne, sogenannte intratendinöse Injektionen, in früheren Untersuchungen mit Achillessehnenrupturen in Verbindung gebracht wurden, wurden bei Injektionen in das umliegende Gewebe, wie in der vorliegenden Studie, innerhalb von sechs bis 24 Monaten keine Rupturen beobachtet.
Die langfristigen Auswirkungen wiederholter Kortikosteroid-Injektionen sind weiterhin unzureichend untersucht.
Stärken der Studie
Die Untersuchung weist mehrere wichtige methodische Stärken auf.
Zunächst handelt es sich um eine randomisierte kontrollierte Studie mit drei Behandlungsgruppen. Durch die zufällige Gruppenzuteilung sollten Unterschiede zwischen den Teilnehmern möglichst gleichmäßig verteilt werden.
Die Studie verwendete außerdem eine gut konzipierte Scheinbehandlung, die eine vergleichbare örtliche Betäubung erzeugte und dadurch die Verblindung der Teilnehmer unterstützte.
Ein weiterer Vorteil war die standardisierte Durchführung der Injektionen und der physiotherapeutischen Nachbehandlung. Die beteiligten Radiologen und Physiotherapeuten wurden geschult, und die Durchführung der Behandlungen wurde teilweise überprüft.
Die Untersuchung wurde bereits vor Beginn der statistischen Auswertung registriert. Dadurch konnten die geplanten Untersuchungsziele und statistischen Verfahren im Voraus festgelegt werden.
Die Nachbeobachtungsrate war mit 94 Prozent nach zwölf Monaten vergleichsweise hoch.
Darüber hinaus wurden nicht nur Schmerzen und Funktion untersucht, sondern auch Lebensqualität, körperliche Aktivität, psychologische Faktoren, Ultraschallbefunde, Nebenwirkungen und wirtschaftliche Aspekte.
Die Studie erfasste damit sechs von neun empfohlenen zentralen Untersuchungsbereichen, die bei Tendinopathien berücksichtigt werden sollten.
Einschränkungen der Studie
Trotz der methodischen Stärken weist die Untersuchung einige Einschränkungen auf, die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden sollten.
1. Nur ein primärer Fragebogen zur Funktion
Für die Untersuchung von Schmerzen und funktionellen Einschränkungen wurde ausschließlich der VISA-A-Fragebogen als primäres Instrument verwendet.
Nach Beginn der Studie wurde ein umfassenderer Satz empfohlener Untersuchungsinstrumente für Achillessehnentendinopathien entwickelt. Die Studie konnte diese späteren Empfehlungen daher nicht vollständig berücksichtigen.
2. Fehlende wirtschaftliche Daten
Im Verlauf der Untersuchung fehlten zunehmend Daten zu wirtschaftlichen Faktoren, insbesondere zu Arbeitsausfällen und Gesundheitskosten.
Diese fehlenden Daten könnten die wirtschaftliche Bewertung beeinflusst haben.
Außerdem verweigerten Teilnehmer der Gruppe ohne Kortikosteroid häufiger die Zustimmung zur Auswertung bestimmter australischer Gesundheits- und Medikamentendaten als Teilnehmer der Scheinbehandlungsgruppe.
3. Nicht alle behandelnden Personen waren verblindet
Die Teilnehmer, Physiotherapeuten und statistischen Auswerter waren über die Gruppenzuteilung nicht informiert.
Die Pflegekraft, die die Injektionen vorbereitete, sowie die Radiologen, die die Injektionen durchführten, konnten jedoch nicht vollständig verblindet werden.
Um mögliche Verzerrungen zu reduzieren, wurde ein standardisiertes Behandlungsschema verwendet, das unnötige Gespräche über die Behandlung und deren mögliche Wirkung vermeiden sollte.
4. Nur eine Achillessehne wurde behandelt
Bei Teilnehmern mit Beschwerden an beiden Achillessehnen wurde lediglich die stärker betroffene Seite behandelt.
Es ist daher nicht vollständig auszuschließen, dass Beschwerden auf der anderen Seite die subjektive Bewertung der Ergebnisse beeinflusst haben könnten.
Die Teilnehmer wurden allerdings bei jeder Untersuchung ausdrücklich darauf hingewiesen, nur die behandelte Seite zu bewerten.
5. Rekrutierung hauptsächlich über soziale Medien
Die meisten Teilnehmer wurden über soziale Medien rekrutiert.
Dadurch ist nicht sicher, ob die untersuchte Gruppe vollständig repräsentativ für alle Menschen mit Achillessehnentendinopathie ist, die sich in medizinischen Einrichtungen behandeln lassen.
6. Mögliche Erinnerungsverzerrungen
Nebenwirkungen, Trainingshäufigkeit, Arbeitsausfälle und Gesundheitskosten wurden in Abständen von sechs Wochen erfasst.
Bei solchen rückblickenden Angaben besteht die Möglichkeit, dass sich Teilnehmer nicht mehr vollständig oder korrekt an bestimmte Ereignisse erinnern.
7. Viele untersuchte Ergebnisse
Die Studie untersuchte zahlreiche Faktoren zu mehreren Zeitpunkten.
Wenn sehr viele Ergebnisse gleichzeitig ausgewertet werden, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass einzelne statistisch auffällige Unterschiede zufällig auftreten.
Dies ist insbesondere bei den kurzfristigen Vorteilen der Kortikosteroid-Injektion zu berücksichtigen.
Bedeutung für die klinische Praxis
Die Ergebnisse der Studie sind für die Behandlung von Menschen mit länger bestehenden Achillessehnenbeschwerden von Bedeutung.
Die High-Volume-Injektion mit und ohne Kortikosteroid konnte nach zwölf Monaten keine überzeugende Verbesserung von Schmerzen und funktionellen Einschränkungen gegenüber der Scheinbehandlung nachweisen.
Die Injektion ohne Kortikosteroid zeigte zu keinem untersuchten Zeitpunkt einen relevanten Vorteil gegenüber der Scheinbehandlung.
Bei der Injektion mit Kortikosteroid wurde zwar nach sechs Wochen eine kleine kurzfristige Verbesserung festgestellt, diese war jedoch geringer als der zuvor festgelegte klinisch relevante Unterschied.
Darüber hinaus zeigten sich nach 26 Wochen ungünstigere Ergebnisse als bei der Injektion ohne Kortikosteroid.
Die wirtschaftliche Bewertung fiel zugunsten der Kortikosteroid-Injektion aus. Dieser Vorteil beruhte allerdings hauptsächlich auf kurzfristigen Einsparungen durch geringere Arbeitsausfälle und Gesundheitskosten und nicht auf einer bedeutsamen langfristigen Verbesserung der Gesundheit.
Die Autoren empfehlen daher, die bisherige Anwendung von High-Volume-Injektionen bei Achillessehnentendinopathie kritisch zu überprüfen.
Insbesondere die routinemäßige Verwendung von High-Volume-Injektionen mit Kortikosteroid wird durch die Ergebnisse nicht unterstützt.
Die Studie zeigt außerdem, dass die zusätzliche Gabe von Kortikosteroid möglicherweise keinen nachhaltigen Nutzen bietet und mittel- bis langfristig sogar mit ungünstigeren klinischen Ergebnissen verbunden sein könnte.
Fazit
Die im Jahr 2026 im BMJ veröffentlichte randomisierte kontrollierte Inject-Studie untersuchte 192 Erwachsene mit einer länger bestehenden Achillessehnentendinopathie und verglich High-Volume-Injektionen mit und ohne Kortikosteroid mit einer Scheinbehandlung.
Alle Teilnehmer erhielten zusätzlich ein standardisiertes physiotherapeutisches Trainingsprogramm, eine Beratung zur Anpassung körperlicher Aktivitäten und eine strukturierte Nachbetreuung.
Die Ergebnisse zeigen, dass weder die High-Volume-Injektion mit Kortikosteroid noch die Injektion ohne Kortikosteroid nach zwölf Monaten eine überzeugende Verbesserung von Schmerzen und funktionellen Einschränkungen gegenüber der Scheinbehandlung bewirkte.
Die Kortikosteroid-Injektion zeigte zwar nach sechs Wochen eine kleine kurzfristige Verbesserung, diese war jedoch möglicherweise klinisch nicht bedeutsam. Nach 26 Wochen schnitten die Teilnehmer mit Kortikosteroid-Injektion schlechter ab als diejenigen, die eine Injektion ohne Kortikosteroid erhalten hatten.
Die High-Volume-Injektion ohne Kortikosteroid zeigte zu keinem Zeitpunkt einen relevanten zusätzlichen Nutzen.
Aus wirtschaftlicher Sicht war die Kortikosteroid-Injektion zwar günstiger als die Scheinbehandlung, dieser Vorteil beruhte jedoch hauptsächlich auf kurzfristigen Einsparungen und ging nicht mit einer bedeutsamen langfristigen Verbesserung der Gesundheit einher.
Insgesamt sprechen die Ergebnisse gegen die routinemäßige Anwendung von High-Volume-Injektionen mit Kortikosteroid bei einer Achillessehnentendinopathie im mittleren Sehnenabschnitt.
Die Untersuchung unterstreicht damit die Bedeutung einer evidenzbasierten Behandlung, bei der therapeutische Maßnahmen nicht nur hinsichtlich kurzfristiger Effekte, sondern auch im Hinblick auf ihre langfristige Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit bewertet werden sollten.
Wissenschaftliche Quelle
Malliaras P, Connell D, Boesen AP, et al. (2026). Efficacy and cost effectiveness of high volume injections with and without corticosteroid compared with sham for midportion Achilles tendinopathy (Inject trial): randomised controlled trial. BMJ. 2026;395.
DOI: https://doi.org/10.1136/bmj-2026-100807
Die Studie wurde am 28. Oktober 2026 im BMJ veröffentlicht und ist im Australian New Zealand Clinical Trials Registry unter ACTRN12619001455156 registriert.

