Studie zur Osteopathie bei Kopfschmerzen

Osteopathie bei zervikogenen Kopfschmerzen

Zervikogene Kopfschmerzen sind Kopfschmerzen, die ihren Ursprung im Bereich der Halswirbelsäule haben. Typischerweise treten neben den Kopfschmerzen auch Beschwerden im Nacken auf. Häufig besteht zudem eine eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule, insbesondere im oberen Bereich. Die Beschwerden können beispielsweise durch bestimmte Bewegungen oder eine länger anhaltende ungünstige Körperhaltung verstärkt werden. Da die Strukturen im Bereich der Halswirbelsäule eng miteinander verbunden sind und zahlreiche Gelenke, Muskeln und nervale Strukturen an der Entstehung und Weiterleitung von Schmerzen beteiligt sein können, ist eine genaue Untersuchung wichtig.

Eine aktuelle randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte, welchen Einfluss eine individuell auf die jeweiligen Befunde abgestimmte osteopathische Behandlung bei Menschen mit zervikogenen Kopfschmerzen haben kann. Insgesamt nahmen 413 Personen an der Untersuchung teil. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zufällig zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhielt innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen zwei osteopathische Behandlungen. Dabei wurde die Behandlung nicht nach einem starren Schema durchgeführt, sondern individuell an die bei der jeweiligen Person festgestellten funktionellen Auffälligkeiten angepasst. Die Vergleichsgruppe erhielt dagegen eine standardisierte Scheinbehandlung. Dadurch sollte möglichst objektiv untersucht werden, ob Veränderungen tatsächlich auf die osteopathische Behandlung zurückzuführen sind.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand zunächst die Frage, ob sich die durch die Kopfschmerzen verursachten Einschränkungen im Alltag verändern. Dabei zeigte sich nach den beiden osteopathischen Behandlungen eine klinisch relevante stärkere Verbesserung als in der Vergleichsgruppe. Die Betroffenen waren somit im Alltag weniger durch ihre Kopfschmerzen eingeschränkt. Gleichzeitig verbesserte sich die Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule deutlicher als bei der Scheinbehandlung. Dies ist insbesondere deshalb interessant, weil eine eingeschränkte Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule häufig mit zervikogenen Kopfschmerzen verbunden ist.

Die Wirkung war dabei nicht bei allen Patientinnen und Patienten gleich stark ausgeprägt. Besonders deutlich profitierten diejenigen, die zu Beginn der Behandlung unter stärkeren Einschränkungen durch ihre Kopfschmerzen litten. Dies kann darauf hinweisen, dass insbesondere Menschen mit einer ausgeprägteren Ausgangssymptomatik von einer individuell angepassten Behandlung profitieren könnten. Die Studie erlaubt allerdings nicht die Aussage, dass eine osteopathische Behandlung bei jedem Menschen mit zervikogenen Kopfschmerzen zu einer Verbesserung führt.

Interessanterweise zeigten sich bei einigen anderen untersuchten Faktoren keine eindeutigen Unterschiede zwischen den Gruppen. So verringerte sich beispielsweise die Anzahl der Kopfschmerztage nicht signifikant stärker als bei der Scheinbehandlung. Auch hinsichtlich der Einnahme von Schmerzmitteln konnte kein entsprechender Unterschied festgestellt werden. Die Ergebnisse sprechen daher vor allem dafür, dass sich durch die osteopathische Behandlung die Beeinträchtigung durch die Kopfschmerzen und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule verbessern können. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass die Behandlung die Häufigkeit der Kopfschmerzen oder den Bedarf an Schmerzmedikamenten reduziert.

Auch die Sicherheit der Behandlung wurde untersucht. Die berichteten Nebenwirkungen waren überwiegend leicht bis mittelstark und vorübergehend. Schwerwiegende behandlungsbedingte Ereignisse wurden in der Studie nicht beobachtet. Wie bei jeder therapeutischen Maßnahme sollte dennoch vor einer Behandlung individuell geprüft werden, ob die Beschwerden tatsächlich für eine zervikogene Ursache sprechen oder ob weitere Untersuchungen notwendig sind.

Die Ergebnisse dieser Studie liefern somit Hinweise darauf, dass eine individuell abgestimmte osteopathische Behandlung eine sinnvolle ergänzende Behandlungsmöglichkeit bei zervikogenen Kopfschmerzen darstellen kann. Besonders die Verbesserung der alltäglichen Beeinträchtigung und der Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule sind dabei von Bedeutung. Gleichzeitig sollte die Aussagekraft der Ergebnisse realistisch eingeordnet werden: Untersucht wurde insbesondere die kurzfristige Wirkung nach einem begrenzten Behandlungszeitraum. Über die langfristige Wirksamkeit einer osteopathischen Behandlung bei zervikogenen Kopfschmerzen lassen sich auf Grundlage dieser Untersuchung daher noch keine sicheren Aussagen treffen.

Orginaltext: https://doi.org/10.1515/jom-2025-0019

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